Was betrachtest du persön- lich als dein wichtigstes Ziel als Manager des Matto Barfuss Conservation Trust in Botswana? Für mich besteht das Haupt- ziel darin, ein Modell zu etab- lieren, bei dem Naturschutz und lokale Gemeinschaften voneinan- der profitieren, anstatt als kon- kurrierende Interessen wahrge- nommen zu werden. Natürlich ist der Schutz unserer heimischen Flora, Fauna und der Wildtierkorridore von größter Bedeutung. Ich bin je- doch auch der Überzeugung, dass Naturschutz einen nachhaltigen Mehrwert für die Gemeinschaf- ten schaffen muss, die in der Nähe dieser Gebiete leben. Ich möchte, dass wir durch Wildtiere und Naturschutz nach- haltige Erträge erwirtschaften, die den umliegenden ländlichen Gemeinden zugutekommen, und gleichzeitig durch Bildung, Beschäftigung, Forschung und Partnerschaften Chancen für junge Menschen schaffen. Ein weiterer wichtiger Aspekt meiner Aufgabe ist es, praktikab- le Wege zu finden, um Konflikte zwischen landwirtschaftlichen Betrieben und umherstreifen- den Wildtieren zu verringern. Da ich in Maun lebe und selbst aus einem landwirtschaftlichen Umfeld stamme, verstehe ich, dass es sich hierbei nicht nur um ein abstraktes Naturschutzthema handelt. Wenn Wildtiere Ernten, Vieh oder die Existenzgrundlage schädigen, ist die Frustration der Betroffenen sehr real. Mein Ziel ist es daher, Lö- sungen zu finden, bei denen Wildtiere geschützt werden, die Gemeinschaften profitieren und die Landwirte erkennen, dass der Naturschutz auch ihnen zugute- kommt. Könnten Sie uns aus Ihrer Sicht als Botswanerin schildern, wie Bo- tswana seine Tierwelt wahrnimmt? Als Botswanerin betrachte ich unsere Tierwelt nicht einfach nur als Touristenattraktion. Für mich ist sie ein unschätzbarer Teil unseres nationalen Erbes und unserer Identität. Wir sind sehr stolz darauf, dass es in Botswana noch einige der letzten wirklich wilden und weitgehend unberührten Ökosys- teme Afrikas gibt. Von den Flu- ten des Okavango-Deltas bis zu den weiten, offenen Landschaften der Kalahari – diese Orte machen das Wesen Botswanas aus. Ich denke jedoch auch, dass es bisweilen einen Unterschied gibt zwischen dem Stolz auf unsere Tierwelt und dem vollen Ver- ständnis dafür, wie wichtig deren Schutz ist. Beim Naturschutz geht es für mich darum, sicherzustellen, dass auch künftige Generationen von Botswana erleben können, was uns heute zur Verfügung steht. Ich möchte, dass ein Kind, das in 20 oder 30 Jahren in Botswana aufwächst, immer noch Elefan- ten, Geparden, Wildhunde und andere Wildtiere in ihrer natürli- chen Umgebung sehen und sagen kann: „Das gehört uns, und das haben wir geschützt.“ Was müsste geschehen, um der einzigartigen Tierwelt Botswanas eine Chance zu geben und sie als Ressource für die Zukunft zu sichern? Viel- leicht kannst du dabei auch dei- ne Erfahrungen aus der Land- wirtschaft und im Umgang mit Konflikten zwischen Mensch und Wildtier einbringen? Ich denke, der erste Schritt besteht darin zu erkennen, dass man Wildtiere und Menschen in Botswana nicht als zwei völlig ge- trennte Welten betrachten darf. Sie teilen sich denselben Lebensraum. Da ich selbst aus einem land- wirtschaftlichen Umfeld stamme, verstehe ich die Herausforde- rungen aus der Sicht der Men- 12 schen. Wenn ein Landwirt Vieh an Raubtiere verliert oder seine Ernte durch Wildtiere beschädigt wird, ist es sehr schwer, von ihm zu verlangen, dies einfach hin- zunehmen, nur weil die Tierwelt wichtig ist. Schließlich ist auch seine Lebensgrundlage wichtig. Gleichzeitig gilt: Wenn wir Wildtiere durch Konflikte, Le- bensraumverlust oder schlicht deshalb verlieren, weil es für die Gemeinden keinen wirtschaftli- chen Anreiz gibt, sie zu schützen, verlieren wir etwas, das niemals wirklich ersetzt werden kann. Daher bin ich der Meinung, dass wir die Tierwelt für die Ge- meinden, die in ihrer Nähe leben, wirtschaftlich wertvoll machen müssen – und nicht nur für die Tourismusbranche. Das könnte bedeuten, mehr gemeinschaftsbasierte Natur- schutzinitiativen, Arbeitsplät- ze, Forschungsmöglichkeiten, Bildungsangebote sowie nachhal- tige, mit der Tierwelt verknüpfte Wirtschaftsbetriebe zu schaffen. Die Gemeinden sollten sagen können: „Weil wir diese Tierwelt haben, eröffnen sich Chancen für unsere Kinder, fließt Einkommen in unsere Gemeinde und haben wir einen Grund, sie zu schüt- zen.“ Zudem brauchen wir prak- tische Lösungen für Konflikte zwischen Mensch und Wildtier – etwa einen besseren Schutz des Viehbestands, Frühwarnsysteme, eine verbesserte Landnutzungs- planung und eine stärkere Un- terstützung für Landwirte, die in Gebieten mit Wildtiervorkom- men leben. Wenn es uns gelingt, die Tier- welt zu einem Gewinn statt zu einer Belastung zu machen, hat sie meiner Ansicht nach eine viel bessere Chance, für kommende Generationen zu überleben.